| SEHR VEREHRTE Frau Vorsitzende, sehr geehrte Mitglieder der Knesset, Im Namen des Staates Israel und all seiner Bürger wende ich mich heute an die Söhne und Töchter des palästinensischen Volks, wo immer sie sich befinden. Wir erkennen die Tatsache an, dass wir gegen Sie eine historische Ungerechtigkeit begangen haben und wir bitten Sie in aller Demut um Vergebung. Als die zionistische Bewegung beschloss, in diesem Land, das wir Erez Israel – Land Israel nennen, und Sie Filastin, eine jüdische nationale Heimstätte zu errichten, hat sie nicht beabsichtigt, unseren Staat auf den Ruinen eines anderen Volkes zu errichten. Tatsächlich hatte fast keiner aus der zionistischen Bewegung vor dem ersten zionistischen Kongress 1897 dieses Land besucht oder sich konkrete Vorstellungen über die aktuelle Situation dort gemacht. Der brennende Wunsch dieser Gründer-Väter der Bewegung war es, die Juden Europas zu retten, wo sich schon die Gewitterwolken des Hasses gegen die Juden sammelten. In Osteuropa tobten Pogrome, und überall in Europa waren Zeichen eines Prozesses zu erkennen, der schließlich zum schrecklichen Holocaust führte, in dem sechs Millionen Juden umgebracht wurden. Zu diesem grundlegenden Ziel kam die tiefe Verbundenheit der Juden über alle Generationen mit dem Land, in dem die Bibel, der Identitätsstiftende Text unseres Volkes, geschrieben worden war, und mit Jerusalem, dem sich die Juden seit Tausenden von Jahren in ihren Gebeten zuwandten. Die zionistischen Gründer kamen in dieses Land als Pioniere, die Herzen voll hehrer Ideale. Sie glaubten an nationale Befreiung, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Wir sind stolz auf sie. Sie dachten sicher nicht im Traum daran, eine Ungerechtigkeit von historischen Dimensionen zu begehen. ALL DAS rechtfertigt nicht, was danach geschah. Das Schaffen der jüdischen Heimstätte in diesem Land ging einher mit größerem Unrecht Ihnen gegenüber, dem Volk, das hier seit Generationen lebte. Wir können die Tatsache nicht mehr ignorieren, dass im Krieg im Jahre 1948 – der für uns der Unabhängigkeitskrieg, für Sie aber die Nakba ist – etwa siebenhundertfünfzig Tausend Palästinenser gezwungen wurden, ihre Häuser und Ländereien zu verlassen. Zur Klärung der Umstände dieser Tragödie schlage ich die Einrichtung eines "Komitees für Wahrheit und Versöhnung" vor, das sich aus Experten von Ihrer und von unsere Seite zusammensetzt, und dessen Schlussfolgerungen in die Schulbücher eingebracht werden sollen, in Ihre und in unsere. Wir können die Tatsache, dass Ihnen in 60 Jahren Konflikt und Krieg die Realisierung Ihres natürlichen Rechts zur Unabhängigkeit in Ihrem eigenen freien Nationalstaat vorenthalten wurde, nicht mehr ignorieren, ein Recht, das die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 29.November 1947 bestätigte, das auch die legale Basis für die Einrichtung des Staates Israel bildet. Für all das schulden wir Ihnen die Bitte um Verzeihung, die ich hiermit aus ganzem Herzen an Sie richte. Die Bibel sagt uns: "Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen." (Sprüche Salomos, 28:13) Natürlich genügt ein Bekennen nicht. Wir müssen auch das in der Vergangenheit begangene Unrecht aufgeben. Es ist nicht möglich, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und die Situation dieses Landes im Jahr 1947 wieder herzustellen, genau so wie Kanada oder die Vereinigten Staaten nicht 200 Jahre ungeschehen machen können. Wir müssen unsere gemeinsame Zukunft im gemeinsamen Streben, voranzuschreiten, gestalten, heilen, was geheilt werden kann, reparieren, was repariert werden kann, ohne neue Wunden zu schlagen, neue Ungerechtigkeit zu begehen oder mehr menschliche Tragödien zu verursachen. Ich bitte Sie eindringlich, unsere Bitte um Vergebung in dem Sinne anzunehmen, wie sie gemeint ist. Lassen Sie uns zusammen arbeiten für eine gerechte, lebensfähige und praktisch durchführbare Lösung unseres ein Jahrhundert alten Konflikts – eine Lösung, die vielleicht nicht alle gerechtfertigten Wünsche erfüllen und nicht alle Ungerechtigkeiten begleichen kann, die aber unseren beiden Völkern erlaubt, ihr Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand zu leben. Diese Lösung ist für alle klar zu sehen. Wir alle kennen sie. Sie entstand aus unseren schmerzlichen Erfahrungen, wurde aus den Lektionen unserer Leiden geschmiedet, hat sich durch die Mühen unserer besten Geister herauskristallisiert – Ihrer wie unserer. Diese Lösung heißt einfach: Sie haben dieselben Rechte wie wir. Wir haben dieselben Rechte wie Sie: In einem eigenen Staat zu leben, mit eigener Flagge, unter selbst bestimmten Gesetzen, mit einer frei gewählten Regierung – hoffentlich einer guten. Eine der grundlegendsten Gebote unserer Religion – und der Ihren und jeder anderen – wurde vor 2000 Jahren von Rabbi Hillel formuliert: „Füge Deinem Nächsten nicht zu, was Dir verhasst ist.“ ( Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Das heißt in der Praxis: Ihr Recht, unverzüglich den freien souveränen Staat Palästina auf allen von Israel 1967 besetzten Gebieten zu gründen, der von den Vereinten Nationen als volles Mitglied anerkannt werden wird. Die Grenzen vom 4. .Juni 1947 werden wieder hergestellt. Ich hoffe, wir können uns in freien Verhandlungen auf minimale Territorial-Tausche zum Wohle beider Seiten einigen. Jerusalem, das uns allen am Herzen liegt, muss zur Hauptstadt unserer beider Staaten werden – West-Jerusalem mit der Klagemauer als Hauptstadt Israels, Ost-Jerusalem mit dem Haram Al Sharif [Tempelberg] als Hauptstadt Palästinas. Das arabische Jerusalem soll das Ihrige sein, das jüdische Jerusalem das unsrige. Lassen Sie uns zusammen arbeiten, um diese Stadt, eine lebendige Wirklichkeit, offen und vereint zu erhalten. Wir werden die israelischen Siedlungen evakuieren, die Ihnen so viel Leid und Unruhe bereitet haben, und die Siedler nach Hause holen, ausgenommen die kleinen Areale, die Israel im Rahmen der freiwillig getroffenen Vereinbarungen von Territorialtausch zugesprochen werden. Wir werden ebenso alle Konstruktionen der Besatzung abbauen, die materiellen wie die institutionellen. Wir müssen mit offenem Herzen und gesundem Menschenverstand eine gerechte Lösung für die schreckliche Tragödie der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen suchen und finden. Jede Familie muss frei zwischen den verschiedenen Möglichkeiten wählen können: Rückkehr und Wiedereingliederung in den Staat Palästina mit großzügiger Unterstützung, am jetzigen Wohnort bleiben oder Emigration in ein Land ihrer Wahl, ebenso mit großzügiger Unterstützung, oder, ja, für eine von uns akzeptierte Anzahl von Menschen, Rückkehr in israelisches Territorium. Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge an all unseren Bemühungen als volle Partner teilhaben. Ich bin sicher, dass unsere beiden Staaten – Israel und Palästina, Seite an Seite in diesem geliebten aber kleinen Land, sich in absehbarer Zeit auf menschlicher, sozialer, ökonomischer, technologischer und kultureller Ebene näher kommen werden, und damit eine Beziehung knüpfen, die nicht nur unser aller Sicherheit, sondern auch Entwicklung und Wohlstand für uns alle ermöglicht. Wir werden gemeinsam für Frieden und Wohlergehen in dieser Region arbeiten, basierend auf engen Beziehungen mit allen Ländern dieser Region. Dem Frieden verpflichtet und im Gelöbnis, unseren Kindern und Enkeln eine bessere Zukunft zu schaffen, wollen wir uns erheben und uns verneigen im Andenken an die zahllosen Opfer unseres Konflikts. Juden und Araber, Israelis und Palästinenser – ein Konflikt, der schon zu lange währt. |