Samstag, 14. Mai 2011

Ist der neue Gesundheitsminister ein zweiter Sarrazin?


Erbgesundheit gerettet: Daniel Bahr ist Gesundheitsminister

Daniel Bahr (FDP) in einem Interview mit der BILD 2005:
„In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen“
Würden mehr Akademiker Kinder bekommen, ständen wir auch in PISA besser da. Bahr fühlte sich zwar falsch wiedergegeben, nahm aber nichts zurück. 2005 begann eine sozialeugenische Wende in der Familienpolitik. 2008 wurde das sozialkompensatorische Erziehungsgeld durch das einkommensbezogene Elterngeld ersetzt.
Die Parallele zur Nazigesetzgebung ist kaum zu übersehen. Das Erbgesundheitsgesetz, auf dessen Grundlage zahlreiche „Hilfsschüler“ sterilisiert wurden, begründete die Einführung des Gesetzes mit den Worten:
„Während die erbgesunden Familien größtenteils zum Ein- und Keinkindersystem übergegangen sind, pflanzen sich unzählige Minderwertige und erblich belastete hemmungslos fort, deren kranker und asozialer Nachwuchs der Gesamtheit zur Last fällt. Während die gesunde deutsche Familie, besonders der gebildeten Schichten, nur etwa zwei Kinder im Durchschnitt hat, weisen Schwachsinnige und andere erblich Minderwertige durchschnittlich Geburtenziffern von drei bis vier Kindern pro Ehe auf. Bei einem solchen Verhältnis ändert sich die Zusammensetzung eines Volkes von Generation zu Generation, so daß in etwa drei Geschlechterfolgen die wertvolle Schicht von der minderwertigen völlig überwuchert ist. […] Dazu kommt, daß für Geistesschwache, Hilfsschüler, Geisteskranke und Asoziale jährlich Millionenwerte verbraucht werden, die den gesunden, noch kinderfrohen Familien durch Steuern aller Art entzogen werden. Die Fürsorgelasten haben eine Höhe erreicht, die in gar keinem Verhältnis mehr zu der trostlosen Lage derer steht, die diese Mittel durch Arbeit aufbringen müssen.“
Eugeniker wie von Verschuer, der Doktorvater Mengeles, haben nach dem Ende des Nationalsozialismus die Erbgesundheits-Ideologie aufrecht erhalten. Verschuer wurde nach dem Krieg Direktor der Uni-Klinik Münster und baute dort das Humangenetische Institut auf. Zugleich war er Mitherausgeber der Eugenik-Zeitschrift „Mankind Quarterly“, die ihrerseits maßgeblich die „Bell Curve“-Diskussion in den 1990er Jahren in den Vereinigten Staaten mit Argumenten belieferte. Bei der aktuellen Sarrazin-Debatte handelt es sich um einen braun-trüben Aufguss dieser Bell-Curve-Diskussion.
Weitere Informationen zu dieser Debatte finden sich in dem Aufsatz „Denken heißt überschreiten. Arbeiterkindergedanken versus Erbgesundheits-Paradigma“
Eine entscheidende politische Veränderung im Zuge dieser seit 2004/2005 bestehenden Debatte ist die Ersetzung des sozialkompensatorischen Erziehungsgeldes durch das mittelschichtsorientierte Elterngeld. Was ist von einem Gesundheitsminister zu halten, der von „falschen Kindern“ spricht? Wir dürfen gespannt sein.

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