Montag, 6. Februar 2012

Santorum: Der Iran würde Atombombe auf Amerika abwerfen


Erschienen am 4. Februar 2012 bei www.antikrieg.com

Der Hurrapatriotismus des republikanischen Kandidaten verhindert jegliches nüchterne Denken betreffend den Iran

John Glaser 

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum unterstellte, dass der Iran eine Atombombe auf die Vereinigten Staaten von Amerika abwerfen würde, wenn er könnte.
Bei einer Wahlveranstaltung in Missouri sagte Santorum vor einer Versammlung, dass ein nuklear bewaffneter Iran eine direkte Gefahr bedeuten würde, sogar für Missouri. „Ich sage euch, dass ihr nicht sicher sein werdet, sobald sie eine Atombombe haben, nicht einmal hier in Missouri,“ sagte er. 
Santorums kriegstreiberische Rhetorik ist sehr weit entfernt von der Realität. Der Iran besitzt keine Atomwaffen, und es ist die übereinstimmende Ansicht von Militär und Geheimdiensten in der Vereinigten Staaten von Amerika, dass das Anreicherungsprogramm nur zivilen Zwecken dient.
Alle 16 Geheimdienste der Vereinigten Staaten von Amerika stellten 2007 und erneut 2011 gemeinsam fest, dass das nukleare Programm des Iran rein ziviler Natur ist. Ungeachtet der aufgeregten Berichterstattung in den Medien hieß es im letzten Bericht der IAEA, dass „die Agentur weiterhin bestätigt, dass nichts von dem erfassten nuklearen Material abgezweigt worden ist.“
Darüber hinaus ist die Ansicht, der Iran würde Atombomben auf die Vereinigten Staaten von Amerika abwerfen, selbst für den Fall, dass der Iran über Atomwaffen verfügte, absurd, und niemand, der auch nur die leisteste Ahnung von der Situation und von internationaler Politik hat, glaubt, dass das wahr ist. Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über tausende Atomwaffen (im Vergleich zu den null Atomwaffen des Iran) und würden postwendend gegen den Iran zurückschlagen, falls dieser eine nukleare Waffe einsetzen würde.
Was Santorum denkt, welchen mutmaßlichen Vorteil die Iraner davon haben könnten, wenn sie die Vereinigten Staaten von Amerika bombardieren, bleibt ein Geheimnis. Er scheint zu glauben, dass die Regierung in Teheran von einer apokalyptische religiösen Bestimmung besessen ist, die Vereinigten Staaten von Amerika oder Israel zu vernichten, weigert sich aber zu glauben, dass sie sich mit einer derartigen religiösen Rigidität an die Fatwa oder religiöse Entscheidung gegen den Einsatz oder den Besitz von Atomwaffen hält.
Die Atompolitik des Iran ist wahrscheinlich darauf gerichtet, seinen aggressiven Gegnern (den Vereinigten Staaten von Amerika und Israel) zu signalisieren, dass er die technischen Kapazitäten besitzt, Nuklearwaffen in dem Fall zu produzieren, dass er angegriffen wird. Mohamed ElBaradei, der ehemalige Generalsekretär der IAEA, sagte 2009, dass er „nicht glaubt, dass die Iraner entschieden haben, eine Atomwaffe zu produzieren, dass sie aber absolut entschlossen sind, die Technologie zu besitzen, weil sie glauben, dass das Macht und Prestige bringt und sie das als Versicherung betrachten.“ Das ist eine Strategie der Abschreckung, die im Gegensatz steht zu einem Verlangen, tatsächlich Atomwaffen zu bekommen.
Santorums blinder hurrapatriotischer Nationalismus macht eine nüchterne Sicht auf den Iran und den gesamten Mittleren Osten unmöglich. In Bezug auf den Iran sagte er: „Das sind Leute, die seit 1979 bis jetzt mit uns im Krieg stehen. Das ist ein Land, das mehr Soldaten in Afghanistan und Irak getötet hat als die Iraker und Afghanen.“ Santorum ist natürlich nicht imstande, die Hunderttausenden Zivilisten zu erfassen, die die Vereinigten Staaten von Amerika in diesen beiden unnötigen Kriegen an den östlichen und westlichen Grenzen des Iran getötet haben.  


    
Die Weiterverbreitung des Textes ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen!

Keine Kommentare: