Sonntag, 21. April 2013

Inge Hannemann - die wohl kritischste Jobcentermitarbeiterin die öffentlich auftritt


Offener Brief an die Kolleginnen und Kollegen

Jobcenter Hamburg-Altona U25 Bild: Frank Schwarz
Jobcenter Hamburg-Altona U25
Bild: Frank Schwarz


Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern. Seit nunmehr sieben Wochen sorge ich mit meiner öffentlichen Kritik für Wirbel. Ich bin erstaunt, dass es schon sieben Wochen sind. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern oder vorgestern gestartet. Wochen mit Hochs und Tiefs. Aber auch Wochen, in denen ich sehr viel, vor allem intellektuell, gelernt habe. Erfahrungen, die ich nicht mehr missen möchte, und die mich sicher mein Leben lang begleiten werden. Ich habe sehr viel Zuspruch erhalten, aber natürlich auch Ablehnung. Das war mir im Vorfeld bewusst und ich bin auch für die Kritik aus den eigenen Reihen dankbar. Konstruktive Kritik, sofern sie eine ist, ist bereichernd und sollte durchaus diskutiert werden.
Die vielen Mails und Outings von Euch, zeigen mir, dass es auch im Inneren der Jobcenter brodelt. Dass ein Nachdenken entsteht. Sie zeigen mir aber auch, dass die Angst vor Repressalien von Oben und vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und der darauffolgenden Existenzangst sehr groß ist. Und ich denke, dass ich nichts Falsches behaupte, dass diese Angst durchaus berechtigt ist. Mein eigener „Fall“ zeigt dieses ja deutlich. Allerdings überlege ich, was ist die Prämisse? Meine eigene Existenz oder die Existenz eines würdigen Lebens von Millionen Erwerbslosen. Was wiegt mehr? Und wiegt es nicht mehr, unseren Rechtsstaat so einzufordern, wie wir es als Bürger verdienen?

*Vollständiger Artikel *


Hier ein Interview mit Frau Inge Hannemann vom Jobcenter Hamburg Altona. Sie ist eine der doch vorhandenen, sehr kritischen Mitarbeitern, wobei Sie jedoch auch an die Öffentlichkeit geht und mit Ihrem Namen auftritt. Dafür verdient sie ganz sicher Respekt.Auf jeden Fall sehr sehenswert und wichtig für alle, die in der Situation stehen oder in der nächsten Zeit in diese Zeit geraten könnten.
Frau Hannemann gibt auch im Filmbeitrag eine Einschätzung in Richtung der wirklich und tatsächlichen Arbeitslosenzahlen: Ihre Einschätzung beläuft sich ungefähr auf 8 Millionen Arbeitslose - im Gegensatz zu den offiziellen 3 Millionen, die stets gerne genannt werden.



 

Eines noch, was für jeden Hartz IV Bezieher wichtig ist:

Gemäß eines Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 09.02.2010 sind Sanktionen  gegen Hartz IV Bezieher unzulässig.
Das ist den Fallmanagern der Jobcenter bekannt und sie begehen wissentlich Rechtsbruch.
Eine Eingliederungsvereinbarung ist nur dann zulässig, wenn diese beidseitig auf Einverständnis trifft; das heißt also, das auch ein Antragsteller Vorschläge machen kann und soll, was in diese Vereinbarung aufgenommen werden soll. 



Hier das Dokument Förder-Check als PDF und zum ausdrucken:   Download

 

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